Macau Abstract. Daniel Juncadella from Spain is the 2011 winner of the Formula 3 round of the  traditional Macau Grand Prix held on the 6.2 kilometres long Guia Circuit the the partly very narrow streets of the former Portuguese colony. The Prema Power Team driver succeeded in a very turbulent race on Sunday afternoon, after the World Touring Car Championship had crowned Frenchman Yvan Muller their king for the third time. The Formula 3 race, the most important event of this catagory in the world, faced a lot of accidents with no one seriously hurt, but to make the Safety Car come out for three times. The race also was finished under full course yellow; the half of the field did not see the chequered flag coming out because of crashing into walls or safety barriers. Signature team`s Marco Wittmann from Germany had won the qualifying race from pole position and he  had an excellent start in the Grand Prix itself  from grid position no. 1 to lead ahead of Williams test driver Valtteri Bottas and British Formula 3 champion Felipe Nasr. The first crash of the day happened, when Roberto Mehri stalled his engine at the start and Richie Stanaway and Laurens Vanthoor were not able to evade his car. Wittmann won the re-start of the first Safety Car period, while his rival Bottas on second place crashed into the tyre wall of the Lisboa 90 degree corner. The second Safety Car period was caused by Sweden`s Felix Rosenqvist  frontally crashing into a wall in a low speed curve up in the old part of the town. Shortly after the second re-start Wittmann was forced back down to fifth place by being attacked by Juncadella, Sekiguchi, Nasr and van Asseldonk side by side at top speed ahead of Lisboa. A little later Wittmann, the fastest man of the whole weekend, was able to overtake Sekiguchi and van Asseldonk again, when further five cars crashed both on the start and finish straight and in uptown Macau to make the Safety Car come out for the third time overall and to prevent the German from  attacking for the lead again. This way Wittmann only finished third place, but he drove the the fastest lap of the 58th Macau Grand Prix. Behind the podium finishers Juncadella, Nasr and Wittmann the chequered flag came out for Sekiguchi, van Asseldonk and Buller in the top six positions.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

DER RITT AUF DER KANONENKUGEL

Die jungen Löwen in der früheren portugiesischen Kolonie: Viele Unfälle und ein unbelohnter Held

Die Liste seiner Starpiloten liesst sich wie ein Auszug aus dem Who`s Who des internationalen Motorsports. Leute wie Ronnie Peterson. Alan Jones, Keke Rosberg, Patrick Tambay, Hans-Joachim Stuck, Bobby Rahal und Johnny Cecotto, um nur einige zu nennen,  sind für ihn gefahren. Männer wie Ron Tauranac, Tony Southgate und Jo Ramirez haben für ihn hinter den Kulissen gearbeitet. Keine Frage, Teddy Yip (1907 - 2003), vielsprachig und multi-national, hatte Stil und Niveau gepaart mit jener finanziellen Unabhängigkeit, die erfolgreiche Geschäfte auf den Sektoren Hotels, Casinos, Reisebüros und einiges andere mehr eben so mit sich brachten.  Theodore Yip, am Beginn des 20. Jahrhunderts auf Sumatra geboren, besass die niederländische Staatsbürgerschaft und  war einst selbst in Macau Rennen gefahren; den Grand Prix im südchinesischen Meer gibt es bereits 1954. Dann eröffnete ihm Sid Taylor etwa Mitte der siebziger Jahre die Tür zum europäischen Motorsport. Teddy Yip, der neben Niederländisch und einer Reihe chinesischer Dialekte auch Englisch, Französisch und Deutsch sprach, machte THEODORE RACING HONKONG sehr schnell zu einem Markenzeichen. Erstmals erregten die roten chinesischen Lettern auf einem weissen Auto in Long Beach 1976 weltweites Aufsehen; der March Ford 761 wurde von Ronnie Peterson gefahren. Teddy Yip war Sponsor und Mäzen (was nicht das Gleiche ist), Teambesitzer (mit privaten Wolf Ford und bei Shadow) und sogar Konstrukteur aus eigenen Rechten: 1978 mit Ron Tauranac und in den achtziger Jahren mit Tony Southgate und Mo Nunn als Designer. Sieht man einmal von der missratenen Übernahme des bereits  in den letzten Zügen liegenden Shadow-Teams samt nachfolgender, unvermeidlicher Insolvenz einmal ab, so war Yip`s Engagement in der Formel 1, in Relation zu den eingesetzten finanziellen Mitteln,  zwar nicht überragend, aber durchaus respektabel. Später reichte es mit Bobby Rahal bei den IndyCars sogar zu zwei Siegen. Yip`s Triumphe als Teamchef sind ein einmaliger und nicht wiederholbarer Teil der Geschichte. 1978 gewann Keke Rosberg mit dem klobigen, bei seiner Präsentation bereits veralteten Theodore Ralt Ford  TR1 die traditionell nicht zur Weltmeisterschaft zählende   BRDC International Trophy in Silverstone im strömenden Regen vor dem zweifachen Weltmeister Emerson Fittipaldi. Und Südafrika`s legendäre Desirèe Wilson siegte mit dem Wolf Ford WR1, den zuvor Jody Scheckter gefahren hatte, 1980 in Brands Hatch  beim Lauf zur Aurora-Serie, der Britischen Formel 1-Meisterschaft: Nie zuvor (und bislang auch nicht danach) gewann eine Frau ein Formel 1-Rennen. Der grösste Pilot in der langen Karriere des Theodore Teddy Yip indessen war der noch junge Ayrton Senna, der 1983 in Yip`s Marlboro Ralt  Toyota RT3 den allerersten Grand Prix von Macau in der Formel 3 gewann.

Bis 1982 gastierte in Macau neben den traditionellen Tourenwagen und Motorrädern die Formel Atlantic, ergänzt um einige europäische Formel 2-Rennwagen, von denen Dieter Quester im von Dornier gebauten BMW einer der prominenteren Beispiele ist. Dann lud der Veranstalter die besten internationalen Formel 3-Piloten aller Länder, meist die Erstplatzierten der grossen Landesmeisterschaften, ein, dazu kamen anfangs einige aktive Grand Prix-Piloten und Macau wurde ganz schnell zu dem was es bis heute ist: Die inoffizielle Formel 3-Weltmeisterschaft mit ungleich mehr Prestige als das Marlboro Masters in Zandvoort oder der kleine Grand Prix von Monaco. Der Guia Circuit mit seinen 6.2 Kilometern Länge  ist auch heute noch der aufregendste Strassenkurs der Welt, trotz des altehrwürdigen Monte Carlo, trotz  des rustikale Valencia, trotz des glamourösen Abu Dhabi. Die  Autobahn-breite Gerade unten am Hafen mit Start und Ziel, der ultraschnelle Mandarin-Knick, die Lisboa neunzig Grad rechts, die Altstadt mit der teilweise nur sechs Meter breiten Strasse mit von Mauern und Leitplanken umsäumten Schlängelkurven und die berühmte Melco Hairpin, die viel enger ist als die Bahnhofskurve von Monte Carlo und deshalb - durch permanent gelbe Flaggen - mit Überholverbot belegt ist: Wenn moderne Wolkenkratzer sich mit alten Patrizierhäusern aus der Kolonialzeit abwechseln, wenn sich die chinesische Kultur mit der lateinischen mischt, wenn sich langsame Kurvenfahrten fast im Schrittempo mit Windschattenschlachten kombinieren lassen, dann ist das für die jungen Löwen trotz des relativ langsamen Schnitts von etwa 140 Kilometern  noch immer ein Ritt auf der Kanonenkugel.  Nicht alle Macau Formel 3-Sieger wurden auch Grand Prix-Piloten, aber viele. Der erfolgreichste von ihnen wurde siebenmal Weltmeister: Michael Schumacher. Und nur einer gewann den den Grand Prix von Macau sowohl in der Formel 3 als auch im Tourenwagen: Jörg Müller.

Deutschlands jüngste Talentendeckung ist Marco Wittmann,  2010 und 2011 in französischen Signature Team fahrend und immerhin schon zweifacher Vize-Meister in der Formel 3-Euroserie.  Der bescheidene, fast ein wenig schüchtern wirkende Wittmann kam  zur Wende-Zeit 1989 (Geburtstag: 24. November) im fränkischen Fürth zur Welt, ist also im Gegensatz zu vielen seiner Vorgänger weder Rheinländer noch Hesse, was kein Nachteil sein muss.  Ganz in der Nähe von Wittmanns Heimatstadt liegt eine der berühmtesten Strassenkurse der Welt: Der Norisring inmitten von Nürnberg, heute das Zeppelin-Feld mit einer Vielzahl von Sportstätten, früher auch Hitlers Reichparteitagsgelände gewesen. Wittmann ist gut auf Strassenkursen; 2011 gewann er den berühmten Grand Prix von Pau in den Pyrenäen. In Macau 2011 war der blonde Franke der absolut schnellste Mann: Pole Position sowohl für das Qualifikations- als auch das Hauptrennen, Platz 1 im Qualifying Race, dazu die schnellste Rennrunde im Grand Prix. Dass es im Endergebnis nicht ein Sieg, sondern nur Platz 3 wurde, war nicht Wittmanns Schuld, sondern der Tatsache zu verdanken, dass die jungen Löwen beim traditionell unfallträchtigen Macau Grand Prix  trotz guten Wetters  diesmal überproportional viel Kleinholz produzierten. Dreimal musste während der 15 Runden das Safety Car herauskommen, hinter dem schliesslich auch die karierte Flagge herauskam; das halbe Startfeld eliminierte sich  durch grösstenteils blödsinnige und daher vermeidbare Unfälle. Wittmann erwischte einen Bilderbuch-Start und konnte sich von Williams F1-Testfahrer Valtteri Bottas (er hatte  kurz zuvor am Young Drivers Test in Abu Dhabi teilgenommen) und dem Britischen Formel 3-Meister Felipe Nasr durchsetzen. Aber dahinter hatte mitten im Startfeld Euroserie-Sieger Roberto Mehri seinen Motor abgewürgt. ATS Cup Sieger Richie Stanaway und Laurens Vanthoor konnten nicht mehr ausweichen; es krachte zum ersten und bei weitem nicht zum letzten Mal. Wittmann behauptete seine Führung beim Re-Start in Runde 4 souverän, während der auf Platz 2 liegende Bottas in die Reifenstapel des Lisboa-Rechtsknicks krachte.  Oben in der Altstadt setzte Felix Rosenqvist in einer der langsamen Kurven sein Auto frontal in die Mauer, der Frontflügel des Schweden lag mitten auf der Strasse und es gab wieder Full Course Yellow. Auch den zweiten Re-Start  in Runde 9 entschied Wittmann zunächst für sich, doch dann  wurde er vor Lisboa zeitgleich von Juncadella, Sekiguchi, Nasr und van Asseldonk angegrifen. Vor dem engen Rechtsknick waren bei 260 km/h vier Autos nebeneinander und keiner der Wildhunde wollte nachgeben. Den Mega-Crash vor Augen, reagierte Wittmann völlig vernünftig und liess den Mitbewerbern Platz zum Überleben, wurde aber dadurch bis zum fünften Platz durchgereicht. Vorne startete Daniel Juncadella zunächst eine Soloflucht, aber Wittmann, schnellster Mann im ganzen Feld, kämpfte Sekiguchi und van Asseldonk nieder und griff erneut nach der Spitze, als das Safety Car zu dritten Male auf der Bildfläche erschien: Oben in der Altstadt waren zwei, auf der Start und Ziel-Geraden sogar drei Autos gestrandet. Den schlimmsten Unfall erwischte Kevin Magnussen; er fuhr mit über 250 km/h auf das Auto eines Konkurrenten auf, wurde wie vom Katapult abgeschossen und flog sechs Meter hoch in die Fangzäune, aber viel Glück verhinderte eine Kopie des Dan Wheldon-Unfalls von Las Vegas 2011. Der Sohn des früheren Stewart Ford-Piloten Jan Magnussen kam mit einer leichten Beinverletzung davon, während Daniel Juncadella und das Prema Power Team ihr Glück nach dem Fallen der karierten Flagge unter Gelb  noch gar nicht fassen konnten. Der drittplacierte Marco Wittmann wirkte auf dem Podium ziemlich emotionslos, aber das tut er eigentlich immer. Unbelohnter Held, stiller Star, ganz sicher zu höherem berufen. Jetzt liegt es an Deutschland, ihm bei diesem Weg jene Unterstützung zu geben, die er verdient.

 

 

 

www.macau.grandprix.gov.mo

www.formel3.de 

 

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